AMIS und andere OP-Zugänge

In unserem Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ beschreiben wir alle fünf Hüft-OP-Zugänge: seitlich (lateral), von vorn oder bauchseits (anterior oder ventral), von hinten oder rückenseits (posterior oder dorsal) und die Mischformen seitlich-von vorn (ventro- oder antero-lateral) und seitlich-von hinten (postero-lateral). Der Zugang von vorn hat sich einen griffigen Marketing-Namen gegeben, AMIS – steht für „Anterior Minimal Invasive Surgery“, also minimal-invasiver Zugang von vorn. Wir fragten Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der endogap-Klinik in Garmisch-Partenkirchen, was er zu den einzelnen Zugängen meint. Hier seine Antwort:

  1. Es gibt 5 natürliche Hüftlücken, die den Zugang zum Gelenk ermöglichen. Durch alle kann man operativ tätig werden, mal mit etwas mehr Muskelschonung, mal mit etwas weniger.
  2. Die Benutzung aller 5 Zugangswege bedingt bei der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks Muskelschäden, sei es durch Durchtrennung, durch Dehnung oder Quetschung des Gewebes. Welcher Schaden da vorzuziehen ist, bleibt völlig offen.
  3. AMIS ist ein sehr guter Zugangsweg/Methode, wenn sie beherrscht wird.
  4. Bestimmte Zugänge zeigen in den ersten 6 Wochen eine etwas schnellere Rehabilitation (u. a. AMIS), nach 3 Monaten sind absolut keine Unterschiede mehr nachweisbar (der Körper regeneriert sich).
  5. Signifikante Unterschiede haben sich in kontrollierten Studien nicht nachweisen lassen.
  6. AMIS ist bei Komplikationen nicht erweiterbar – im Gegensatz zu den seitlichen und hinteren Zugängen, und niemand ist gegen Komplikationen gefeit.
  7. Unter anderem deshalb hat sich AMIS auch bisher nicht wirklich durchgesetzt. Was sollte uns daran hindern, einen überlegenen Zugang zu verwenden (wenn er denn überlegen wäre ….).
  8. Es gibt eben bei keinem Zugang nur Vorteile, es kommt immer auf die Erfahrung des Operateurs an und den individuellen Patienten.

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