Antibiotika ja oder nein?

Immer wieder kommt die Frage auf, wie man sich als Hüft- oder Knie-TEP-Träger vor einer Infektion der Prothese schützen kann/soll. Muss man gleich bei jedem grippalen Infekt oder bei jedem Zahnarztbesuch mit dem Antibiotika-Hammer vorbeugen? Nein, ist die eindeutige Antwort von Dr. Christian Fulghum, Chefarzt der Endogap-Klinik in Garmisch-Partenkirchen. Wohl aber bei großen bakteriellen Infektionen – ausgehend von Zahn oder Zeh. Hier seine ausführliche und klare Antwort, für die wir an dieser Stelle herzlich danken!

Antibiose bei TEPs (Hüfte und Knie):

Künstliche Gelenke sind für den Organismus zeitlebens eine gewisse Schwachstelle, wo sich Infektionen, bei denen die Erreger auf dem Blutweg fortgeleitet werden, leichter festsetzen als ohne Implantat. Zudem genügt eine deutlich geringere Menge an Keimen bei Einliegen eines Implantats, um einen Infekt manifest werden zu lassen.

Daher sollten sich Endoprothesenträger zeitlebens bei großen bakteriellen Infektionen schützen. Es geht wie gesagt immer um die Fortleitung eines im Körper bestehenden Infekts auf die Hüfte/Knie über das Blut. Besonders gefährdet ist man z. B. bei eitriger Infektion eines Zehs am betroffenen Bein (Fortleitung zum Stamm über Lymphbahnen und Venen) oder bei tiefen, ausgedehnten Zahninfektionen.

Keine Gefahr besteht bei Virusinfekten, z. B. Grippe.

Besondere Vorsicht ist im ersten Jahr nach dem operativen Eingriff geboten, da in dieser Zeit die Durchblutung des Hüft/Kniebereichs gesteigert ist (Heilung) und daher ein Infekt schneller hergeleitet werden kann. Später verringert sich die Gefährdung deutlich, bleibt aber, wie gesagt, zeitlebens bestehen. Besondere Vorsicht gilt ebenso, wenn Patienten ein beeinträchtigtes Immunsystem haben.

Die vorbeugende Antibiotikagabe bei Zahnreinigung ist nach übereinstimmender Auskunft der American Dental Association und der American Orthopaedic Association nicht erforderlich. Hier greift die Vorsicht, durch zu häufige Antibiotikagabe Resistenzen zu züchten. Anders bei großen Zahneingriffen oder eben eitrigen Infekten anderswo im Körper, wo eine Antibiotikatherapie zum Schutz sinnvoll erscheint.

Es genügt dabei in der Regel die Einmalgabe (Single Shot), z. B. mit Clindamycin 600 mg.

 

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