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Was tun bei Arthrose-Beschwerden? Die Crux der Therapieauswahl

Peter auf dem MTB

Die Volkskrankheit Arthrose ist ständig und überall präsent. Nicht alle haben Beschwerden, aber eine Abnutzung des Gelenkknorpels lässt sich bei fast jedem Erwachsenen ab einem gewissen Lebensalter radiologisch feststellen. Und bei einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt natürlich auch die Zahl der Arthrose-Erkrankungen zu. Die Gründe, ob Arthrose bereits in jüngeren Jahren zu Beschwerden führt oder erst im hohen Alter, sind vielfältig. Faktoren wie Gewicht, mangelnde Aktivität (Sport und Bewegung), Stress, falsche Ernährung, Traumata (Verletzungen), Muskulatur, angeborene Gelenkfehlstellungen und einseitige intensive Belastung spielen alle eine Rolle. Einige dieser Faktoren wie Gewicht, ausreichend Bewegung, eine gute Muskulatur und Ernährung kann man selbst beeinflussen, andere leider nicht.
Laut des Vereins Deutsche Arthrose-Hilfe e. V. leiden fast fünf Millionen Deutsche an Arthrose-Beschwerden mit steigender Tendenz.

Falsche Hoffnungen werden geweckt
Da wundert es nicht, dass es vor unseriösen Angeboten, die die Arthrose heilen sollen, nur so wimmelt. Bücher wie „Die Arthroselüge“ oder „Arthrose selbst heilen“ führen dazu, dass bei Betroffenen falsche Hoffnungen geweckt und bei den Autoren die Kassen gefüllt werden.

Medizinisch einwandfrei erwiesen ist, dass Arthrose bisher zumindest nicht heilbar ist in dem Sinne, dass diese sich wieder regeneriert. Es gibt aber eine Vielzahl von konservativen Maßnahmen, die das Fortschreiten der Arthrose zumindest etwas aufhalten oder verlangsamen, die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit erhöhen können.
Und genau hier liegt die Crux für die Betroffenen:
Wie können sie herausfinden, welche angebotenen Therapien seriös und welche unseriös sind?

Was sollen die Betroffenen unternehmen und an wen sollen sie sich wenden? Gibt man in der Google-Suchmaschine „Arthrose“ ein, erhält man knapp neun Millionen Treffer, bei „Arthrose behandeln“ immer noch knapp 1,3 Millionen Treffer. Da wird es schwer, sich selektiv durchzuarbeiten und zu erkennen, ob es sich um Fehlinformationen, falsche Versprechungen oder seriöse Angebote handelt oder nicht.

Hinterfragen, recherchieren, vernetzen
Keinesfalls sollte man leichtsinnig oder blauäugig, sondern auf jeden Fall mit gesundem Menschenverstand und am Ende auch mutig an die Sache herangehen:

  • Schnell empfohlene und oft kostspielige Therapien hinterfragen und recherchieren (Fehlinformationen, falsche Versprechungen)
  • Keinesfalls dem Drängen zu einer schnellen OP nachgeben und zwar unabhängig davon, ob es um ein künstliches Gelenk oder eine Gelenk-Arthroskopie geht. Letztere richtet oft mehr Schaden als Nutzen an, besonders wenn keine absoluten Spezialisten am Werk sind (leichtsinnig).
  • Sich mit anderen Betroffenen vernetzen und von deren Erfahrungen profitieren
  • Sich in Arthrose- oder Selbsthilfegruppen wie z. B. das „Arthroseforum Austria“ oder die Facebook-Gruppe „TEPFIT“ Beide zeichnen sich durch Seriosität, Engagement und den „Non-Profit“–Gedanken aus.
  • Sich beim Deutschen Arthrose-Hilfe Verein informieren
  • Natürlich den Arzt und Physiotherapeuten des Vertrauens hinzuziehen
  • Zu guter Letzt sich auch gerne mal ausführlich auf der Webseite dieses Artikels umschauen. Wir, Heidi Rauch und ich, haben inzwischen fast über 10 Jahre Erfahrungen, Informationen, Ärztemeinungen, hilfreiche Links und Übungen – auch als Videos – gesammelt und zusammengestellt.
  • Und wenn alles ausgeschöpft ist, offen und gut informiert an einen möglichen Gelenkersatz herangehen (mutig)

Auch wenn unsere Webseite genau wie die beiden Bücher „Mut zur neuen Hüfte!!“ und „Mut zum neuen Knie!“ heißt, reden wir nicht einer vorschnellen OP das Wort. Wir wollen aber gleichwohl positiv zeigen, dass mit einem künstlichen Gelenk das Leben keinesfalls zu Ende ist, sondern im Gegenteil eine neue Lebensfreude beschert wird.

Kommen wir nun auf einzelne heute propagierte Therapie-Formen zu sprechen, bevor das künstliche Gelenk der letzte Ausweg zu sein scheint.

Heidi Rauch und Birgit Ferber-Busse

Stabilitätsübungen im Freien (Heidi und Birgit)

Ernährung
Diese sollte basisch sein und bedeutet: Wenig tierische Produkte, dafür viel Gemüse, Fisch und gesunde und hochwertige Pflanzenöle, wie Olivenöl, Leinöl oder Walnussöl. Wenig bis keinen Alkohol und Rauchverzicht. Auch hoher Kaffeekonsum sollte gemieden werden, ebenso wie Limonade oder Cola. Alle genannten Getränke tragen zur Übersäuerung des Körpers bei. Eine dauerhafte Übersäuerung schadet den regenerativen Prozessen eines gesunden Gelenk-Knorpels. Darüber hinaus sind bestimmt Vitamine wichtig, wie B, C und E.
Außerdem werden einigen Gewürzen wie Kreuzkümmel, Koriander und Muskat schmerzlindernde Fähigkeiten zugeschrieben, die durch die verbesserte Durchblutung der Gelenkschleimhaut entsteht.
Eine von vielen Quellen zum Nachlesen finden Sie hier…

Nahrungsergänzungs- und Arthrose-Mittelchen
Von allen in Hochglanzanzeigen propagierten Arthrose-Heilmitteln sollte man die Finger lassen. Im besten Fall haben diese überhaupt keine Wirkung, im schlechtesten Fall sind diese sogar schädlich.

Bzgl. Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie sich mit Ihrem Arzt des Vertrauens austauschen. Dieser sollte anhand eines Blutbildes einen möglichen Mangel an wichtigen Vitaminen, Nähr- und Botenstoffen ermitteln und diese dann ggf. gezielt und wohldosiert zuführen. Von einer Eigentherapie ist abzuraten.

Blutegel-Therapie
Diese kann Entzündungen und Schmerzen lindern. Dabei werden Blutegel an die betroffene Stelle gesetzt (meist das Knie). Sie saugen sich dann fest und geben dabei ein entzündungshemmendes Sekret ab. Diese Therapie muss privat bezahlt werden und kommt aus der Naturheilkunde.

Hyaluronsäure-Therapie
Hierbei wird unter Röntgenkontrolle Hyaluronsäure ins Gelenk injiziert. Die Kosten hierfür belaufen sich auf einige hundert Euro. Es gibt auch Mischpräparate (Hyaluron mit Plättchenreichem Plasma – PRP), deren Wirkung noch besser und dauerhafter sein soll. Beide Therapieformen werden von den Kassen nicht bezahlt, da die Studienlage noch nicht ausreichend ist. Ich selbst kenne einige, die zumindest für einige Monate eine Schmerzreduktion und einen Bewegungsgewinn hatten. Ein Versuch mag es je nach Geldbeutel durchaus wert sein. Beim Hüftgelenk ist die Studienlage sehr dünn, beim Knie-Gelenk ist die Therapie evidenzbasiert. Siehe auch hier …

Physiotherapie
Natürlich spielt die klassische Form der Physiotherapie eine große Rolle.

Therapeutische Knie-Behandlung

Dazu zählen manuelle Therapie, Faszienbehandlung und Faszientraining. Hat man einen guten Physiotherapeuten gefunden, kann dieser einen bestens anleiten, nach den eigentlichen Behandlungseinheiten tägliche Übungen in Eigenverantwortung durchzuführen. Hier ist Ausdauer und Konstanz gefragt.


Sport und Bewegung
Das ist die einfachste und günstigste Form der Prävention und Therapie. Nordic-Walken, Nordic-Cross-Training, Laufen, Radfahren, Schwimmen, Wandern oder auch einfach nur Gehen. Ist das Laufen nicht oder nur noch mit Schmerzen möglich, dann entweder Walking-Stöcke zur Unterstützung nehmen oder komplett auf das Radfahren und Schwimmen ausweichen. Nebeneffekt: Die Ausdauersportarten sind natürlich auch gut für Herz und Kreislauf.

Gewichtsreduktion
Dies ist vermutlich für einige die schwierigste Aufgabe. Das Problem am Übergewicht ist nicht nur die vermehrte Belastung der Gelenke, sondern vielmehr auch, dass das Fettgewebe entzündungsfördernde Hormone produziert, die sogenannten Adipokine. Adipokine verursachen Enzymkaskaden, die letztlich auch die Proteine der Knorpelmatrix abbauen und Knorpel weicher und weniger widerstandsfähig machen. Zusammen mit optimaler Ernährung sowie Sport und Bewegung ist Gewichtsreduktion die kostengünstigste Form der Therapie.

Knorpelzell-Therapie/-Transplantation
Auf diesem Gebiet wird seit einigen Jahren intensiv geforscht. Man hofft, irgendwann Knorpelzellen herstellen und zur Reparatur defekter Knorpel einsetzen zu können. Es werden diese Therapien aktuell bei minimalen Knorpelschäden bereits angewandt. Bei dieser arthroskopisch durchgeführten OP wird gesunder Knorpel an anderer Stelle des Gelenkes entnommen und über einige Wochen in einem Reagenzglas gezüchtet. Danach wird in einer 2. Operation dieser körpereigene Knorpel an der defekten Stelle eingesetzt. Es sind allerdings bestimmte Patienten-Voraussetzungen notwendig: Der Knorpelschaden darf nur sehr gering und das Alter der Patienten nicht zu hoch sein. Die Krankenkassen übernehmen inzwischen diese Operationen.

Fettzell-Therapie
Seit kurzem, ca. seit zwei Jahren, wird auch von einzelnen privaten Kliniken eine sog. Fettzelltherapie angeboten. Dabei werden Fettzellen im Körper entnommen und dem kranken Gelenk injiziert. Diese Therapie (ambulante Operation) soll lt. Versprechen der durchführenden Ärzte eine gute Möglichkeit sein, Arthrose zu stoppen und einen Gelenkersatz lange hinauszuschieben, wenn nicht sogar überflüssig zu machen. Diese privat zu zahlende Therapie kostet ca. 3.000,00 EUR und muss nach einiger Zeit wiederholt werden. In den mir vorliegenden sog. Studien ist davon die Rede, dass von ca. 20 Patienten, bei denen das durchgeführt wurde, etwa die Hälfte über einen Zeitraum von 6 bis maximal 12 Monate eine deutliche Schmerzreduktion und eine verbesserte Beweglichkeit hatten. Da dies aber auch mit vielen der vorstehend genannten anderen Therapien möglich ist, muss jeder selbst für sich beantworten, ob das sinnvoll ist. Stichwort: Gesunder Menschenverstand.
Trotzdem sollte man grundsätzlich neuen Therapieansätzen aufgeschlossen gegenüber stehen und auf weitere Studien und Forschungsergebnisse warten und hoffen.

Placebo-Effekt
Durchaus interessant und durch Studien erwiesen ist, dass besonders bei invasiven Therapien wie Injektionen sehr oft der sog. Placebo-Effekt festgestellt werden kann. D.h.: Die Patienten fühlen sich viel besser weil sie medizinisch behandelt wurden, auch wenn die injizierte Substanz völlig wirkungslos ist. Dieser Effekt stellt sich auch bei wirkungslosen Medikamenten ein, jedoch etwas abgeschwächter.


Neue Initiative: das KnorpelKompetenzNetzwerk e.V.

Das Problem der Betroffenen, sich durch das Dickicht der Angebote kämpfen zu müssen, um sich am Ende hoffentlich kompetent und richtig informiert bei Arthrose therapieren zu lassen, haben führende Orthopäden, Chef- und Fachärzte des Zentrums für Orthopädie, Unfallchirurgie & Sportmedizin Bonn genau erkannt und 2018 den Verein KnorpelKompetenzNetzwerk e.V. gegründet mit dem Ziel, als Bindeglied zwischen optimaler Behandlung und Patient zu fungieren.

Einer der Gründungsmitglieder, Dr. Jochen Müller-Stromberg, erläutert das so:

Im KnorpelKompetenzNetzwerk ist eine Gruppe von erfahrenen, besonders geschulten Ärzten und Therapeuten zusammengeführt, die untereinander abgestimmt agieren, eine optimierte Kommunikation führen und sich dabei dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis sowie den geltenden Leitlinien verpflichtet sehen.
Durch die enge Verzahnung der Mitglieder haben die Patienten kurzfristig Zugriff auf fundierte Beurteilungen ihrer Gesundheitssituation im Sinne einer Zweitmeinung.
Durch das Netzwerk erhält der Patient neben einer objektiven Beratung kurzfristig die notwendige, wissenschaftlich anerkannte Therapie, um die oft schwerwiegenden Folgen einer im Frühstadium verzögerten Therapie zu vermeiden.
Das Netzwerk steht offen für verschiedene Berufsgruppen, um alle notwendigen Kompetenzen zu bündeln. Neben Orthopäden und Unfallchirurgen sollen weitere Ärzte mit spezieller Qualifikation einbezogen werden. Dabei muss auch eine ernährungs- und sportmedizinische Beratung erfolgen. Mit der Einbindung von Physiotherapeuten und Sportmedizinern wird der zentrale Aspekt einer gezielten körperlichen Aktivität für die Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Gelenkknorpels betont.
Die Beratung und Behandlung eines Patienten mit Knorpelschaden bzw. beginnender Arthrose ist trotz aller vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse stets individuell auf diesen Patienten abzustimmen.

Die Satzung des Vereins kann hier heruntergeladen werden.
Der Verein finanziert sich größtenteils aus Spenden. Mit einem schriftlichen Antrag an den Vorstand können auch Nicht-Mediziner Mitglied werden. Diese Chance habe ich wahrgenommen und bin hocherfreut, dass meine Mitgliedschaft ab 1. Februar 2020 bestätigt wurde.

Diese Initiative ist ein ganz hervorragender Ansatz, die Kompetenzen zur Erforschung der Knorpelzüchtung und Knorpelregeneration zu bündeln, um in absehbarer Zeit hier neue Behandlungsmöglichkeiten für Arthrose-Betroffene zu schaffen und bereits heute den oft vernachlässigten Ansatz einer ganzheitlichen seriösen Therapie anzubieten und die Betroffenen damit von der Crux der Therapieauswahl zu befreien. Bleibt zu wünschen, dass diese Initiative bald deutschlandweit bekannt und mehr in Medien präsent wird. Für den Bereich der Sozialen Netzwerke werde ich das in Abstimmung mit dem Vereinsvorstand in Kürze übernehmen.

Herzliche Autorenwünsche für ein bewegungsfreudiges Jahr 2016

Unser Jahresendessen am Tegernsee ist zur liebgewordenen Tradition geworden seit wir 2012 unser Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ herausgebracht haben: Zum vierten Mal haben Peter Herrchen und ich uns also mit unseren lieben Ehepartnern in den letzten Tagen des „alten“ Jahres zum Mittagessen getroffen und das Jahr 2015 ein bisschen Revue passieren lassen. Wie man das halt so macht zum Jahreswechsel. Wie bestellt – und zu unserer großen Freude – kamen just zwischen Forelle und Schnitzel zwei Bestellungen unseres Großhändlers KNV herein: 90 Hüft-Bücher insgesamt! Wow! Offensichtlich haben viele Menschen ihren Lieben mit Hüftproblemen unser Buch unter den Weihnachtsbaum gelegt.

Herzliche Neujahrswünsche von Heidi Rauch und Peter Herrchen!

Herzliche Neujahrswünsche von Heidi Rauch und Peter Herrchen!

Vielen Dank an dieser Stelle unseren treuen Lesern und allen, die unsere Bücher, auch „Mut zum neuen Knie!“, weiterempfehlen. Wir freuen uns immer noch, wenn wir hören, dass unsere Erfahrungsberichte und Tipps anderen Menschen weitergeholfen haben. 2016 werden wir übrigens verstärkt Material für eine zweite, aktualisierte Auflage unseres Hüft-Buchs sammeln. Aber eigentlich stellen wir immer wieder fest, dass sich bei allem Medizin-Fortschritt das meiste nicht geändert hat.

Immer noch kommt es auf die Wahl des individuell „richtigen“ Operateurs und eine gesunde Fitness rund um die OP an. Dazu gehört vor allem die tägliche, ja wirklich tägliche Bewegung! Nehmen Sie sich also für 2016 am besten vor, dass Sie mindestens 10 Minuten Gymnastik mit Kräftigungs- und Dehnübungen in Ihren Morgenablauf einplanen. Das sollte in Fleisch und Blut übergehen wie das morgendliche Zähneputzen. Ausreden gelten nicht! Inzwischen ist nämlich erwiesen, dass sogenannte neuronale Verknüpfungen im Gehirn erst nach etwa einem halben Jahr eines täglichen Rituals eintreten. Erst dann lernt der Körper – und will die tägliche Morgen-Gymnastik nie, nie wieder vermissen!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen ein gutes, friedvolles, gesundes und vor allem bewegungsfreudiges Jahr 2016!

Markus Wasmeier: 2. Hüft-TEP mit 49 Jahren

Als wir vor fast genau einem Jahr anfragten, ob Ex-Skistar Markus Wasmeier Zeit und Lust hätte, über seine positive Hüft-OP-Erfahrung in unserem Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ zu berichten, bekamen wir von seiner Assistentin die Antwort, dass er terminlich wg. seines Museums zu sehr eingespannt sei. Schade, dachte ich mir, und sah mir sein Schlierseer Bauernhofmuseum an, ohne ihn zu sprechen.

Kurz darauf konnten wir als Prominenten den Olympiasieger im Speerwerfen, Klaus Wolfermann, für unser Buch gewinnen, der gern bereit war über seine zwei Hüft-OPs zu sprechen (S. 206 ff im Buch). Anfang dieser Woche zierte Markus Wasmeier gleich die Titelseite der Münchner tz, da sein Operateur Dr. Robert Hube von der Münchner OCM-Klinik, ausführlich zu Hüft-OPs befragt wurde, die ja in letzter Zeit in der Diskussion sind, weil angeblich in Deutschland zu viel operiert wird (200.000 Hüft-OPs im Jahr). Wenn ich dazu befragt werde, wie jüngst im BR-Interview, kann ich nur sagen: Meine Wahrnehmung ist eine ganze andere. So eine große Operation lässt niemand machen, der nicht vorher enormen Leidensdruck hatte. Kein Operateur wird jemanden zu diesem Schritt überreden können, wenn er nicht wirklich nötig ist. Durchweg alle Hüft-TEP-Träger in unserem Buch „Mut zur neuen Hüfte!“ haben hinterher übereinstimmend gesagt: „Warum habe ich nur so lange gewartet? Wenn ich gewusst hätte, wie gut es mir hinterher geht, hätte ich die Operation viel eher machen lassen.“

Markus Wasmeier hat seine erste künstliche Hüfte mit 46 Jahren, die zweite nun mit 49 Jahren bekommen. Die Ursache seiner Schmerzen, die ihn 17 Jahre lang (!) plagten, war ein Unfall auf der Skipiste. Zu Dr. Hube kam er übrigens wie unser Grafiker Hubert Hornsteiner, der auch seinen Erfahrungsbericht als extremer Skifahrer in „Mut zur neuen Hüfte!“ beisteuert, über Dr. Ernst-Otto Münch, den Verbandsarzt des Deutschen Skiverbands (DSV). Hubert hat sich von Dr. Hubes Kollegen Dr. Michael Dienst, ebenfalls in der OCM-Klinik, operieren lassen (nachzulesen S. 136 ff in unserem Buch). Und unser Triathlet Heinz Meixner (S. 170 ff) war bei Dr. Christian Carl, der ebenfalls in der Münchner OCM-Klinik operiert.

Hubert Kirchlekar-Karwendel Dezember 2011

Hubert Kirchlekar-Karwendel Dezember 2011, 6 Monate nach seiner Hüft-OP

Angesichts der Ski-Erfahrungen von Hubert, der in diesem Winter 60 Ski- oder Skitourentage, vor allem als Freerider im Gelände, absolviert hat und zudem als Bergwachtler seine künstliche Hüfte schmerzfrei relativ großen Belastungen aussetzt, mutet es merkwürdig vorsichtig an, wenn Dr. Hube, einem topfitten Ski-Ass wie Markus Wasmeier davon abrät, die Streif wieder herunterzufahren – wg. der Stauchungsgefahr. Andererseits freut er sich, wenn sein Patient wenige Tage nach der OP schon ohne Krücken „100 Meter sprintet“.

Wir, Peter Herrchen und ich, können dazu nur sagen (auch, weil wir von Lesern unseres Buchs immer wieder gefragt werden): Nach unserer Erfahrung bringt es gar nichts, zu früh wieder ohne Gehhilfen zu gehen. Was sollen diese übermütigen „Erfolgsmeldungen“? Wozu? Lieber etwas länger mit der Vollbelastung warten (in der Regel sechs Wochen), sich täglich bewegen, die Muskeln konsequent aufbauen, stetige Dehnübungen machen, dann kann man seine Hüft-TEP umso mehr und länger belasten. Denn schließlich wollen wir in unserem Alter noch mindestens 25-30 Jahre mit unseren Titanhüften leben. Und zwar ohne Wechsel-OPs.

Heidi Rauch, 1. Mai 2013